Früher Brustkrebs

Früher Brustkrebs - Inhaltsverzeichnis

Brustkrebs - was ist das überhaupt?

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Jede achte Frau hat ein Lebenszeitrisiko an Brustkrebs zu erkranken.

Jährlich gibt es circa 69.000 Neuerkrankungen. Circa 1 % der Erkrankten sind Männer. Auch wenn wir in diesem Text immer von Patientinnen sprechen, so beziehen sich die Aussagen auch auf männliche Brustkrebspatienten. Besonderheiten zu an Brustkrebs erkrankten Männern finden Sie in Kapitel 10.

Diagnostik und Therapie haben in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Im Folgenden wollen wir Patientinnen und deren Angehörige über die Erkrankung informieren und ihnen helfen, sich aktiv mit ihr auseinanderzusetzen und Entscheidungen zu treffen.

Es gibt nicht die „EINE“ Brustkrebserkrankung, sondern verschiedene Typen mit unterschiedlichen Tumoreigenschaften, die zu unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten führen.  

Die häufigste Form von Brustkrebs findet man in den Milchgängen (lat. Duktus = der Gang, duktales Mammakarzinom), in denen circa 80 % der bösartigen Brusttumore entstehen. Am zweithäufigsten entsteht Brustkrebs ausgehend von den Drüsenläppchen (lat. Lobus = Läppchen; lobuläres Mammakarzinom). Es gibt aber noch eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten, wo eine Brustkrebserkrankung beginnen kann.

Lymphgefäße durchziehen Drüsenkörper (nicht nur in der Brust) und führen über Lymphbahnen zu Lymphknoten, die Krankheitserreger, körperfremde Substanzen und Tumorzellen als erstes auffangen, bevor sie sich weiter im Körper ausbreiten können.

Bei Veränderungen im Erbgut von Zellen kann es vorkommen, dass sich Zellen eines Gewebes oder eines Organs unkontrolliert teilen. Der Begriff Tumor benennt eine durch Zellneubildung entstehende Wucherung. Es gibt gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumore. Die bösartigen werden als Krebs bezeichnet. Sie sind bösartig, weil sie Zellen in andere Organe streuen können und so deren Funktion und die Gesundheit gefährden. Ein gutartiger Tumor kann nicht streuen, aber aufgrund seines Wachstums in einem Organ prinzipiell dessen Funktion auch gefährden.

Ursachen und Risiken

In Deutschland hat jede achte Frau ein Risiko im Verlauf ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Circa 25 % der Neuerkrankungen treten bei Frauen unter 50 Jahren auf.

Es gibt verschiedenen Faktoren, die eine Entstehung von Brustkrebs begünstigen bzw. beeinflussen können. Aber: Eine einzelne Ursache für eine Brustkrebserkrankung gibt es nicht!  

Manche dieser Faktoren, sind nicht beeinflussbar wie z.B. ein sehr frühes Einsetzen der ersten Regel oder sehr späte Wechseljahre, höheres Alter, eine familiäre oder genetische Belastung, häufige frühere Gewebeveränderungen der Brust, ein sehr dichter Drüsenkörper oder eine therapeutische Bestrahlung der Brust in jungen Jahren wegen einer anderen Krebserkrankung (z.B. Lymphdrüsenkrebs = Lymphom).

Es gibt jedoch auch eine Reihe von Faktoren, die beeinflußbar sind und die das Risiko einer Erkrankung verringern, aber nicht grundsätzlich ausschließen können. Dazu gehören z.B. eine gesunde, ausgewogene Ernährung (mediterrane Kost, ballaststoffreiche Nahrung, eher fettreduziertes als fettreiches Essen), ein normales Körpergewicht, wenig oder gar kein Alkohol, regelmäßige Bewegung oder Sport (an mindestens drei Tagen pro Woche und jeweils mindestens 30-45 Minuten) sowie der Verzicht auf Nikotin. Auch eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, die über sehr lange Zeit durchgeführt wird, kann das Risiko für eine Brustkrebserkrankung erhöhen. Hier sollte mit der Ärztin/dem Arzt genau abgewogen werden, in welcher Dosierung und über welchen Zeitraum hinweg eine Hormonersatztherapie erfolgen sollte.

Wichtig

In Deutschland gibt es viele zertifizierte Brustkrebszentren, die sich auf die Behandlung von Brustkrebs spezialisiert haben und in denen die verschiedenen Fachabteilungen zusammenarbeiten und in gemeinsamen Tumorkonferenzen (Tumorboards) besprechen, was zu tun ist. Dieses Ergebnis wird dann ausführlich mit Ihnen besprochen und erklärt. Die Ärztinnen/Ärzte machen Ihnen Vorschläge und erläutern weitere Möglichkeiten. Hier können Sie so viele Fragen stellen, wie Sie benötigen, um sich ein genaues Bild Ihrer Therapie machen zu können.

Es kann durchaus sinnvoll sein, sich eine zweite Meinung in einem weiteren Brustkrebszentrum einzuholen.

Symptome und Diagnostik

Brustkrebs verursacht zunächst keine Probleme, frau sieht ihn nicht, frau spürt ihn nicht, er „tut nicht weh“.
Es ist deshalb sehr wichtig, dass Sie Ihren Körper kennenlernen und auf eventuelle Veränderungen reagieren können. Zusätzlich sollten Sie mindestens einmal im Jahr die sogenannten Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen.

Was könnten Anzeichen für eine Brustkrebserkrankung sein?

  • Eine ungewöhnliche Vergrößerung einer oder beider Brüste.
  • Veränderung der Form einer oder beider Brüste.
  • Eine ungewöhnliche Rötung der Brust (auch ein vermeintlicher Ausschlag sollte abgeklärt werden).
  • Hauteinziehungen, auch beim Heben des Arms.
  • Dellen, Vorwölbungen, Buckel oder Beulen auf der Brust.
  • Gerötete und/oder eingezogene Brustwarzen, aus denen eventuell Flüssigkeit austritt.
  • Blutiges Sekret aus einer oder beiden Brustwarzen.
  • Ein schmerzloser, tastbarer Knoten in der Brust und/oder in der Achselhöhle.
  • Hautveränderungen, die an dicke Orangenschalen erinnern oder ein geschwollener Oberarm.

 

All diese Anzeichen können Hinweise sein, bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass Sie an Brustkrebs erkrankt sind.

Im fortgeschrittenen, metastasierten Zustand, wenn sich also Fernabsiedlungen (Metastasen) gebildet haben, kann es unter anderem zu starken Knochenschmerzen, Knochenbrüchen, zu Luftnot oder dauernder Müdigkeit kommen.

  • Zwei weibliche Familienmitglieder mit Brust- oder Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom), von denen mindestens eine vor dem 50. Lebensjahr erkrankt ist
  • Eine Verwandte ersten Grades (Mutter oder Schwester) mit einseitigem Mammakarzinom (Brustkrebs) vor dem 30. Lebensjahr
  • Eine Verwandte ersten Grades mit beidseitigem Mammakarzinom vor dem 40. Lebensjahr
  • Eine Verwandte ersten Grades mit Ovarialkarzinom vor dem 40. Lebensjahr
  • Ein männlicher Verwandter mit Mammakarzinom

 

Wenn eines dieser  Merkmale auf Sie zutrifft, besprechen Sie bitte mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt, ob es für Sie sinnvoll wäre, sich in einer Klinik beraten zu lassen.

Weiterführende Informationen zum Thema genetischer und familiärer Brustkrebs finden Sie hier.

Ein Knoten in meiner Brust - Sie oder Ihre Ärztin/Ihr Arzt haben eine Veränderung entdeckt

Wenn Sie eine oder mehrere der o.g. Veränderungen bei sich bemerkt haben, sollten Sie unbedingt eine Ärztin/einen Arzt Ihres Vertrauens aufsuchen. Es sollte eine ärztliche Untersuchung mit ergänzenden bildgebenden Untersuchungen stattfinden.

Möglicherweise wird eine Veränderung aber auch im Rahmen der jährlichen Früherkennungsuntersuchung oder beim Mammografiescreening festgestellt. Das Mammografiescreening ist eine alle zwei Jahre vom Gesetzgeber empfohlene und von Krankenkassen erstattete Reihenuntersuchung gesunder Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Die Mammografie (Röntgenuntersuchung der Brust) wird in dafür speziell ausgebildeten, spezialisierten und qualifizierten Zentren und Praxen durchgeführt.

Wird hierbei eine Veränderung festgestellt und ist in der Mammografie eine verdächtige Stelle zu sehen, werden häufig noch Vergrößerungsaufnahmen und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Diese beiden bildgebenden Verfahren zusammen ermöglichen es, über 90 % aller Veränderungen zu erkennen.

Kann nicht eindeutig festgestellt werden, ob es sich um eine gutartige Veränderung handelt, werden je nach Befund entweder weitere bildgebende Untersuchungen empfohlen, oder die betreffende Stelle beobachtet (drei bis sechs Monate). Es kann evtl. auch eine Gewebeprobe (Stanzbiopsie) entnommen werden.

Die Gewebeprobe als sogenannte Stanzbiopsie ist die einzige Möglichkeit, eindeutig festzustellen, ob die Veränderung gut- oder bösartig ist. Hierbei wird eine Nadel mit Hilfe eines Ultraschalls oder einer Mammographie gezielt in den Tumor geführt und ein Gewebszylinder aus dem Tumor entnommen. Die kleinen Gewebeproben werden von einem Pathologen speziell aufbereitet, eingefärbt und unter dem Mikroskop gründlich untersucht. Das kann 24-48 Stunden in Anspruch nehmen, daher ist keine Diagnose unmittelbar nach der Probeentnahme möglich.

Lassen Sie einen Knoten nicht vorschnell herausnehmen, denn bei einem bösartigen Tumor benötigen Sie eine individuell zugeschnittene Behandlung, die nur zertifizierte Brustzentren anbieten können und für die auch andere Fachabteilungen hinzugezogen werden. Möglicherweise ist auch eine Therapie vor der Operation notwendig.

Vor einer Therapie und Operation sollte durch eine Vakuumstanzbiopsie abgeklärt werden, ob der Tumor bösartig ist und welche Tumoreigenschaften (Tumorbiologie) er besitzt.

Lassen Sie sich die verschiedenen operativen Vorgehensweisen genau erklären (brusterhaltend, Brustentfernung, Wiederaufbau mit Fremd- oder Eigengewebe) und holen Sie im Zweifelsfall eine zweite Meinung ein.

Diese Diagnose ist für jeden Menschen ein Schock.

Viele Patientinnen und Patienten fühlen sich im ersten Augenblick wie gelähmt. Danach kommen viele Fragen auf: über die Krankheit, die Therapie und die damit verbundenen Chancen und Risiken.

Verlieren Sie nicht den Mut und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt über das, was Sie bewegt. Auch ein Austausch in einer Selbsthilfegruppe und/oder mit Angehörigen ist sinnvoll. 

Vielleicht sind Sie verunsichert und nicht in der Lage, Ihre Gedanken zu ordnen. Wir möchten Sie dabei unterstützen, sich gezielt über Ihre Therapie zu informieren. Ihr Wissen wird Ihnen helfen, Ihre Kräfte zu sammeln und wirksam im Kampf gegen die Krankheit einzusetzen.

Gerne können Sie sich mit Fragen auch an uns wenden (alle Informationen finden Sie unter „Für mich“).

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht über die häufigsten gestellten Fragen von Patientinnen und Patienten.

  • Wie viele Brustkrebsoperationen macht der behandelnde Arzt pro Jahr?
  • Wie groß sind meine Chancen, geheilt zu werden?
  • Welche Therapiemöglichkeiten gibt es und welche sind für mich geeignet?
  • Kommt für mich schon vor der OP eine Therapie in Frage?
  • Wie lange dauert die Therapie, wo und wie oft findet sie statt?
  • Wie läuft die Therapie genau ab, was passiert dabei?
  • Wird mich die Therapie stark in meinem täglichen Leben beeinträchtigen?
  • Muss ich zur Therapie ins Krankenhaus?
  • Woran erkenne ich, ob die Therapie wirkt?
  • Kann ich an einer Studie teilnehmen?
  • Was sind mögliche Nebenwirkungen meiner Chemotherapie / Antihormontherapie / Antikörpertherapie / Immuntherapie oder sonstigen Therapie?
  • Sind diese Nebenwirkungen gefährlich?
  • Wann setzen diese ein und wie lange dauern sie an?
  • Wie kann ich mich vor ihnen schützen?
  • Gibt es Möglichkeiten, manche Nebenwirkungen der Therapie zu behandeln?
  • Leidet mein Immunsystem unter der Therapie?

Weiterführende Broschüren und Texte

Ein Knoten in meiner Brust

Sie oder Ihre Ärztin/Ihr Arzt haben eine Veränderung in Ihrer Brust entdeckt. Wie geht es nun weiter? 
Hier finden Sie einige Informationen und Fragen, die Sie Ihren Ärzten stellen sollten.

Meinen Befund verstehen

Der Weg zu meiner Therapieentscheidung.

Empfehlungen gynäkologische Onkologie Kommission Mamma

Hier können Sie den neuen Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2021 herunterladen

Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2021

Brustkrebs Deutschland e.V. bedankt sich ganz herzlich bei unseren Beiräten Prof. Dr. Wolfgang Janni (Ärztlicher Direktor der Frauenklinik, Universitätsklinikum Ulm) und Prof. Dr. Volkmar Müller (Stellvertr. Klinikdirektor, Leiter konservative gynäkologische Onkologie, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf) sowie bei der Kommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO).

Brustkrebs – eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass es sich bei Brustkrebs nicht um eine einzelne, immer gleich verlaufende Erkrankung handelt. Vielmehr dürfen wir heute davon ausgehen, dass Brustkrebs eine vielseitige Erkrankung mit verschiedenen Untergruppen darstellt. Den vollständigen Artikel finden Sie hier

Autorin ist Frau PD Dr. med. B. Ataseven, Klinik für Gynäkologie & Gynäkologische Onkologie, Kliniken Essen-Mitte.

Dieser Artikel ist erschienen in der  „Mamma Mia! Tumor ist nicht gleich Tumor“. Wir bedanken uns ganz herzlich bei „Mamma Mia! – Das Brustkrebsmagazin“ sowie bei Fr. Eva-Schumacher-Wulf (Mitglied unseres Beirats) dafür, dass uns dieser Text kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde.

Videos zum Thema Früher Brustkrebs

Brustkrebsinfotag 2021: Früher Brustkrebs: Aktuelles zur Brustkrebsdiagnostik und -therapie, PD Dr. Würstlein

AGO 2021: Früher Brustkrebs: Behandlungsoptionen; Prof. Albert und Prof. Fasching

COVID-19: Was ist bei frühem Brustkrebs zu beachten?, Prof. Thomssen und Prof. Kümmel

Brustkrebsinfotag 2021: Früher Brustkrebs: Antihormonelle Therapie junger Frauen, Dr. Kahlert

SABCS 2021: Chemotherapie mit Taxanen +/- Anthrazyklinen beim frühen Brustkrebs, Dr. Bauerfeind

ASCO 2021: Früher Brustkrebs neoadjuvant: Talazoparib bei triple-negativer BRCA 1/2 Keimbahnmutation, Prof. Ditsch

Dies ist eine kleine Auswahl unserer Expertenvideos, weitere finden Sie in unserem YouTube-Kanal.

Behandlung Früher Brustkrebs

Um eine Entscheidung für oder gegen die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten treffen zu können, möchten die meisten Patientinnen so viel wie möglich über ihre Erkrankung erfahren. Es ist aber auch möglich, dass Sie sich mit all diesen Informationen komplett überfordert fühlen und Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt die Entscheidungen überlassen wollen. Beides ist völlig in Ordnung und doch können Sie jederzeit Ihre Meinung ändern und Ihre Ärztin/Ihren Arzt darauf ansprechen. Fragen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt auch, ob es eine für Sie passende Studie gibt, was diese beinhaltet und welche Vor- und/oder Nachteile sie Ihnen bringen könnte.

Es gibt verschiedene Säulen, auf denen die Behandlung von Brustkrebs basiert. Es ist gut zu wissen, dass es bei Brustkrebs wichtig sein kann, einen Teil der Therapie vor der Operation (= neoadjuvant, präoperativ) durchzuführen. Dennoch beginnen wir mit der Beschreibung einer Operation.

Je nach Größe und Ausbreitung des Tumors gibt es verschiedene Möglichkeiten der Operation. Es wurde in vielen Studien nachgewiesen, dass eine brusterhaltende Operation (BET = brust-erhaltende Therapie plus Bestrahlung) mit anschließender Bestrahlungstherapie genauso sicher ist wie die Entfernung der Brust.

Ziel der Operation ist die Entfernung des Tumors aus dem gesunden Gewebe, d.h. der entfernte Tumor reicht bei der Untersuchung des Gewebes unter dem Mikroskop nirgendwo an den Schnittrand heran. Die Schnittränder können nur durch den Pathologen genau bestimmt werden, wodurch es in bis zu 10 % der Fälle zu einer Nachoperation kommen kann, falls in diesem Randgewebe noch Tumorzellen gefunden werden (R1). Ziel ist es bei frühem Brustkrebs grundsätzlich R0 zu erreichen. Leider gibt es auch heute noch Gründe, eine Brust zu entfernen.

Stellen Sie sich vor, dass Sie durch ein Kreuz über der Brust diese in vier Teile aufteilen würden (es wird hier von Quadranten gesprochen). 

Quelle: Meinen Befund verstehen, klarigo-Verlag

Befinden sich in mehr als einem Quadranten Tumore, kann es ratsam sein, die Brust vollständig zu entfernen (Ablatio oder Mastektomie mit Entfernung des Warzenvorhofes und der Brustwarze = Mamillen-Areola-Komplex = MAK) oder eine hautsparende Ablatio durchzuführen, bei der so gut wie möglich alles Gewebe unter der Haut mit Erhalt des MAK entfernt wird und in der gleichen Operation ein Wiederaufbau durchgeführt wird. Auch ein ausgedehntes DCIS oder LCIS (siehe Beschreibung unter „Tumorarten“) kann je nach Ausdehnung zu einer kompletten Entfernung der Brustdrüse führen, da es manchmal nicht möglich ist, das DCIS mit notwendigem Sicherheitsabstand zu entfernen. Beim sogenannten entzündlichen Brustkrebs (inflammatorisches Mammakarzinom) muss ebenfalls die gesamte Brust entfernt werden.

Zur Operation gehört auch die Entfernung eines oder mehrerer Sentinel-Lymphknoten, auch Wächterlymphknoten genannt. In einigen Studien wird untersucht, ob und wie viele Lymphknoten entfernt werden müssen oder ob die bisher bekannten anderen Parameter (siehe Tumoreigenschaften) beim Befund ausreichen, um eine Therapie festzulegen.

Weltweit ist es Standard, nach einer brusterhaltenden Operation eine Strahlentherapie (Radiatio) der betroffenen Brust folgen zu lassen, um das Risiko des Wiederauftretens in derselben Brust so gering wie möglich zu halten (um ein Lokalrezidiv zu vermeiden).

Es gibt aber auch bei einer kompletten Brustentfernung mögliche Gründe, noch zusätzlich (adjuvant) zu bestrahlen. Fragen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt/, was für Sie in Frage kommt und weshalb.

Wenn Sie bei der operativen Entfernung der Brust, ob mit oder ohne MAK, einen sofortigen Wiederaufbau der Brust haben machen lassen, dann kann es unter Umständen schwierig sein, eine Bestrahlung durchzuführen, um den Wiederaufbau aus Silikonprothesen oder Eigengewebe nicht zu gefährden. Besser ist es daher, den Brustaufbau nach einer potentiellen Strahlentherapie durchzuführen. Hierbei gibt es aber auch Ausnahmen, bitte fragen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt hierzu.

In einigen Fällen kann während der Operation bestrahlt werden, was zu einer Verkürzung der Bestrahlung im Anschluss führen kann.

Neuer Standard laut AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologischer Onkologie) ist die Verkürzung der Bestrahlungsdauer, indem man die Einzeldosen leicht erhöht. Diese Vorgehensweise nennt man Hypofraktionierung (üblicherweise fünf Tage Woche über drei Wochen). In einigen Fällen wird aber weiterhin fünf bis sechs Wochen an fünf Tagen die Woche bestrahlt. Im Anschluss an die Bestrahlungszeit kann es noch einen sogenannten Boost geben. Hierbei wird das ursprüngliche Tumorbett noch einmal extra bestrahlt.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie kann, je nach Situation, sowohl vor der Operation (neoadjuvant) als auch nach der Operation (präoperativ) durchgeführt werden. 

Ziel der medikamentösen Therapie ist es, eventuell gestreute Krebszellen im Körper „von innen heraus“ zu behandeln. Bei Brustkrebs wird deshalb häufig eine Chemotherapie durchgeführt, da es sich hier um eine systemische (Ihren ganzen Körper möglicherweise betreffende) Erkrankung handelt. Krebszellen können, müssen aber nicht, durch die Lymphbahnen und/oder die Blutbahnen von der Brust in den Körper gelangt sein. Wenn nach einer neoadjuvanten Chemotherapie kein Tumor mehr im entnommenen Gewebe gefunden wird, spricht man von einer pathologischen Komplettremission (pCR). Wenn der Tumor nicht komplett verschwunden ist (keine pathologische Komplettremission = non-pCR) können und sollen weitere medikamentöse Therapien durchgeführt werden.

Es gibt im Bereich Brustkrebs viele verschiedene Chemotherapie-Medikamente. Nach langjährigen Studien mit vielen Patientinnen weiß man, dass es sinnvoll ist, bei den verschiedenen Arten von Brustkrebs auch unterschiedliche Kombinationen einzusetzen.

Meist wird eine Kombination mehrerer Chemotherapeutika gleichzeitig gegeben, manchmal geschieht dies aber auch hintereinander. Auch die Dosis und die Zeitabstände zwischen einzelnen Gaben können unterschiedlich sein. Ihre Chemotherapien können sich von dem unterscheiden, was Sie vielleicht von einer anderen Patientin gehört oder im Internet gelesen haben.

Wenn die Zeitabstände zwischen den Zyklen verkürzt werden bzw. die Einzeldosis pro Zyklus erhöht wird, kann es notwendig sein, zusätzlich zu den üblichen Begleitmedikamenten (z.B. gegen Übelkeit, Blasenschutz, Allergievorbeugung u.a.) weitere Medikamente (z.B. knochenmarkstimulierende Medikamente) zu verabreichen. Dies geschieht, um Sie zu schützen oder Ihren Körper zu unterstützen. Fragen Sie Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt nach seiner Einschätzung.

In den meisten Fällen dauert die Chemotherapiezeit insgesamt ca. sechs Monate.

Ob eine Chemotherapie für Sie von Nutzen sein kann, wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt mit Ihnen besprechen. In einigen Fällen ist dies schwer zu beurteilen. Manchmal wird dann ein Genexpressionstest am Tumorgewebe durchgeführt, um Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt dabei zu helfen, die für Sie passende Therapie zu finden und Ihnen zu empfehlen.

Anti HER2-Therapie

Wenn ein Tumor HER2 neu Rezeptoren hat (HER2 neu 3+ oder 2+ und durch FISH- oder CISH-Testung positiv), wird man die Chemotherapie entweder mit sogenannten Antikörpern, die genau diese HER2 neu Rezeptoren blockieren, kombinieren und/oder sie im Anschluss verabreichen.

Die derzeit am häufigsten eingesetzten Antikörper sind Trastuzumab und Pertuzumab. Je nach Tumorstadium vor oder nach einer Operation können diese Antikörper in Kombination mit einer Chemotherapie simultan oder einzeln verabreicht werden.  Weitere Anti-HER2neu Medikamente (z.B. das sogenannte TDM-1) finden ihre Anwendung nach Abschluss einer neoadjuvanten Therapie, wenn nach der Operation noch Resttumor in der Brust vorhanden war.

Anti HER2-Therapie in der metastasierten Situation

Beide Medikamente (Trastuzumab und Pertuzumab) werden auch bei einer metastasierten Brustkrebserkrankung (der ursprüngliche Tumor hat sich in andere Organe oder Bereiche des Körpers ausgebreitet) eingesetzt (siehe Kapitel „Metastasierte Situation“). Zusätzlich gibt es noch weitere Medikamente für diese Situation, wie das als Tablette zur Verfügung stehende Lapatinib – und T-DM1 – eine Kombination aus Trastuzumab und einer Chemotherapie. Der Vorteil von T-DM1 liegt darin, dass das Chemotherapeutikum „DM1“ im Rucksack des Antikörpers „T“ direkt zu und in die HER2-positiven Krebszellen gebracht und erst in den Krebszellen freigesetzt wird.  Weitere Infos finden Sie unter „Metastasierter Brustkrebs“

Antihormontherapie

Eine Antihormontherapie kann durchgeführt werden, wenn bei einem Tumor Hormonrezeptoren nachgewiesen wurden. (ER=Östrogen und/oder PR=Progesteron).

In der adjuvanten Situation, also auf Heilung zielenden Behandlungssituation, kommen je nach Situation folgende unterschiedliche Medikamente zum Einsatz:

Vor den Wechseljahren = prämenopausal

Bei Frauen vor den Wechseljahren ist das Medikament der Wahl Tamoxifen, welches schon seit Ende der 70er Jahre bekannt ist. Die Wirkweise von Tamoxifen lässt sich am ehesten mit dem Schlüssel-/Schlossprinzip erklären: Die Hormone sind hier der Schüssel und die Krebszelle mit den Hormonrezeptoren das Schloss. Tamoxifen blockiert gewissermaßen weitgehend das Schloss und soll verhindern, dass Schlüssel (Hormone) und Schloss (Krebszelle) zusammenkommen.

Zusätzlich zu Tamoxifen wird in bestimmten Fällen mit Medikamenten behandelt, die die Eierstöcke außer Funktion setzen (GnRH-Analoga). Dies wird empfohlen, wenn Sie unter 35 Jahre alt sind und Ihre Monatsblutung nach Abschluss einer Chemotherapie innerhalb von 24 Monaten wieder auftritt. Mit Einsetzen der Periode würde man dann diese GnRH-Analoga zusätzlich verabreichen.

Kann aus bestimmten Gründen Tamoxifen nicht angewandt werden, gibt es auch die Möglichkeit die Eierstöcke allein mittels GnRH-Analoga außer Funktion zu setzen (oder mit einem Aromatasehemmer (siehe „nach den Wechseljahren“) zu kombinieren). Es ist in der prämenopausalen Situation NICHT möglich nur einen Aromatasehemmer zu geben, da dadurch die Produktion von Hormonen durch die Eierstöcke sogar angeregt werden würde.

Sollten Sie noch einen Kinderwunsch haben, sprechen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt aktiv an und fragen nach möglichen Maßnahmen Ihre Fertilität (Möglichkeit schwanger zu werden) zu erhalten.

Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie beraten, was für Sie in Frage kommt und wie lange Sie die Therapie durchführen sollten.

Nach den Wechseljahren = postmenopausal

Bei Frauen nach den Wechseljahren gibt es mehrere Optionen der antihormonellen Therapie. Tamoxifen funktioniert auch bei diesen Patientinnen (siehe „vor den Wechseljahren“).

Zusätzlich gibt es noch die Gruppe der Aromatasehemmer. Im Gegensatz zum Tamoxifen verhindern Aromatasehemmer die Bildung weiblicher Hormone durch Hemmung des Enzyms „Aromatase“. Dadurch kommt es zu einem starken Östrogenabfall.

Es ist möglich, zuerst mit Tamoxifen zu beginnen und nach zwei bis drei  Jahren auf einen Aromatasehemmer zu wechseln.

Die antihormonelle Therapie egal ob vor oder nach den Wechseljahren sollte mindestens für fünf Jahre erfolgen. Einige Studien haben aber auch gezeigt, dass eine längere Gabe für bestimmte Patientinnen sinnvoll ist. Bitte fragen Sie hierzu Ihre Ärztin/Ihren Arzt.

Gerade weil Brustkrebs eine so komplexe Erkrankung ist, gibt es zertifizierte Brustkrebszentren, die auch laufend in Ihrer Qualität überprüft werden. Viel Erfahrung in der Behandlung und der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen führen nachgewiesenermaßen zu einer besseren Behandlung.

Die zertifizierten Brustkrebszentren finden Sie hier.

Brustkrebs beim Mann

Circa 1 % aller Brustkrebsfälle in Deutschland betreffen Männer.

Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt höher als bei Frauen.

Die Therapieempfehlungen entsprechen denen der an Brustkrebs erkrankten Frauen, obwohl es nahezu keine Studiendaten hierfür gibt.

Die operative Entfernung des Mammakarzinoms in der nicht metastasierten Situation wird empfohlen. In den meisten Fällen wird aufgrund der eher geringen Brustgröße im Verhältnis zur Tumorgröße die gesamte Brust entfernt. 

Die Empfehlungen für eine Chemotherapie entsprechen denen von Frauen mit Brustkrebs.

Bei der antihormonellen Therapie wird zurzeit Tamoxifen bevorzugt (Aromatasehemmer werden im Moment in Studien untersucht).

Der Einsatz von Trastuzumab ist nicht eindeutig belegt, aber laut AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologischer Onkologen) wahrscheinlich sinnvoll und empfohlen.

Nähere Informationen finden Sie auch hier

Nähere Informationen zu den Tumorarten

Es gibt auch sogenannte Vorstufen von Brustkrebs, die selbst keine lebensbedrohliche Erkrankung darstellen, aber aus denen sich Brustkrebs entwickeln kann.

Das sind:

DCIS (duktales Carcinom in situ – Tumorzellen nur in den Milchgängen, also kein Wachstum außerhalb der Drüsengänge)

LCIS (lobuläres Carcinom in situ – nur in den Drüsenläppchen, kein Wachstum außerhalb der Drüsenläppchen)

DCIS und LCIS sind Erkrankungen der Brust, die nicht in andere Organe streuen können und deren Heilungschancen durch operative Entfernung, evtl. Bestrahlung und manchmal antihormonelle Behandlung sehr gut sind. Eine Chemotherapie ist nie notwendig.

Wenn eine Brustkrebserkrankung durch eine Gewebeprobe bestätigt ist, werden immer eine Reihe von Markern untersucht und bestimmt. 

Hormonrezeptoren, die mit ER (aus dem Englischen für Östrogen) und PR (aus dem Englischen für Progesteron) angezeigt werden. Die Menge dieser Rezeptoren wird meist mit Zahlen einer Skala von 0 bis 12 angegeben (z.B. 7/12), manchmal aber auch in Prozentzahlen. Je höher die Zahl, desto mehr Hormonrezeptoren sind vorhanden, umso günstiger die Prognose.

HER2-neu-Rezeptor (human epidermal growth factor receptor 2, manchmal auch mit erb-B2 oder cerb-B2 angegeben): Es handelt sich hierbei um einen speziellen Rezeptor, der einen Einfluss auf das Wachstum hat. Hier wird im Befund unterschieden zwischen HER2 0, HER2 1+, HER2 2+ und HER3+.

Der HER2 neu Test ist negativ, also diese wachstumsfördernde Eigenschaft ist im Brustkrebs nicht vorhanden, wenn das Ergebnis lautet: HER2 neu 0, HER2 neu 1+, HER2 neu 2+. Nur bei HER2 neu 3+ ist der Tumor HER2 neu positiv, d.h. er hat diese zusätzliche wachstumsfördernde Eigenschaft.

Ausnahme: Das Ergebnis von HER2 2+ alleine ist nicht aussagekräftig genug. Daher wird noch ein weiterer Test (FISH oder CISH-Test) gemacht, der angibt, ob es dem HER2 3+ entspricht oder nicht.

Bei HER2 3+ bzw. einem positiven FISH- (oder CISH-) Ergebnis gibt es spezielle Behandlungsmöglichkeiten. Ein HER2 neu negativer Test bedeutet, dass die Anti-HER2-Therapie nicht eingesetzt werden kann, da sie hier nicht funktioniert.

Diese drei Rezeptoren, also ER, PR und HER2 neu bzw. HER 2 sind prädiktive Faktoren, d.h. sie können eine Aussage über ein mögliches Ansprechen spezieller Therapien treffen.

Es gibt also Brustkrebsformen, die einen der beiden oder beide Hormonrezeptoren aufweisen (ER oder PR oder beides), man spricht dann von hormonrezeptor-positiv (HR+). Der Tumor kann außerdem HER2 neu positiv oder negativ sein, also HER2 neu-Rezeptoren aufweisen oder nicht.

Somit unterscheidet man:

  • triple-positive Tumoren (hormonrezeptor- und HER2 neu postiv)
  • hormonrezeptorpositive Tumoren (HR+, HER2 neu negativ)
  • HER2 neu positive Tumoren (HRnegativ, HER2 neu positiv)
  • triple-negative Tumoren (HR-negativ, HER2 neu negativ)

Zusätzlich gibt es noch prognostische Faktoren, die eine bessere Beurteilung des Tumors ermöglichen. Diese sind:

Die Tumorgröße und örtliche Ausdehnung des Tumors wird immer mit dem Buchstaben „T“ und einer Einteilung von 1 bis 4 angegeben. Hierbei ist 1 noch ein kleinerer Tumor, wohingegen 4 bedeutet, dass auch die Haut und/oder der Muskel mit befallen sind. Steht im Befund Tis, handelt es sich um einen Tumor, der noch nicht in das umliegende Gewebe eingedrungen ist. Steht ein „y“ vor dem „T“, dann erfolgt eine neoadjuvante Therapie, heißt: eine Therapie vor der Operation.

Tis = Die Gewebeveränderung (DCIS, LCIS) ist noch nicht in das umliegende Gewebe eingedrungen

T0 = Kein ursprünglicher Tumor nachweisbar (auch Cup Syndrom genannt = Cancer of Unknown Primary)

T1 = Tumorgröße unter 2 cm

Genauere Angaben möglich, z.B.

mi (0,1 cm oder weniger),

a (> 0,1 cm bis 0,5 cm)

b (> 0,5 cm bis 1 cm)

c (> 1 cm bis 2 cm)

T2 = Tumorgröße zwischen 2 und 5 cm

T3 = Tumor ist größer als 5 cm

T4 = Tumor ist in die Brustwand oder in die Haut eingewachsen.

Genauere Angaben möglich, z.B.

a (Brustwand)

b (Hautödem, Ulzeration, Satellitenknötchen der Haut)

c (a und b)

d (entzündliches Karzinom) beziehen sich auf die Art der Ausdehnung des Tumors.

TX = Der Tumor konnte nicht beurteilt werden

Quelle: „Mein Befund verstehen“, klarigo – Verlag für Patientenkommunikation oHG

Der Lymphknotenbefund wird immer mit dem Buchstaben „N“ angegeben. Es gibt eine Klassifikation von N0-N3 und NX. Dabei bedeutet N0, dass kein Lymphknoten von Tumorzellen befallen ist. Mit zunehmendem Befall steigt die Zahl bis maximal N3. NX bedeutet, dass die Lymphknoten in der Umgebung des Tumors nicht beurteilt werden können.

Grading beschreibt, wie sehr eine Krebszelle noch einer normalen Zelle ähnelt. G1 bedeutet, dass es kaum Veränderungen gibt. G2 zeigt, dass bereits Veränderungen zu erkennen sind, diese Zellen aber immer noch Ähnlichkeit mit einer normalen Zelle aufweisen. G3 hat nur noch wenig Ähnlichkeit mit einer normalen Zelle. G1 heißt aber auch langsames Wachstum, G2 ist schon schneller wachsend und G3 gilt als aggressiv. Das Grading wird also immer mit „G“ und einer nachfolgenden Zahl zwischen 1 und 3 beschrieben.

Bei der Tumoreinteilung gibt es noch weitere Ergänzungen, die aber teilweise erst nach der Operation genau bestimmt werden können:

Diese Einteilungen werden auch durch Buchstaben im Befund gekennzeichnet.

Metastasen werden mit M bezeichnet. Dabei gilt:

MX = kann nicht beurteilt werden

M0 = keine Metastasen

M1 = Metastasen wurden gefunden

Dabei gilt:

L0 = Lymphbahnen ohne Tumorzellen

L1 = Lymphbahnen mit vorhanden Tumorzellen

Dabei gilt:

V0 = Gefäße ohne Tumorzellnachweis

V1 = Gefäße mit Tumorzellnachweis

Mit R bezeichnet man die Schnittränder bei der Tumorentfernung.

Dabei gilt:

RX = Schnittrand nicht beurteilbar

R0= Schnittränder ohne Tumorzellen

R1 / 2 = Schnittränder mit Tumorzellen

Das sogenannte Ki 67 ist ein Proliferationsmarker, der am Tumorgewebe bestimmt wird. Er gibt an wie schnell oder wie häufig sich Krebszellen teilen. Zellteilung bedeutet Wachstum. Je höher der Ki 67-Wert, desto schneller und aggressiver wächst ein Krebs. Die Bestimmung des Ki 67-Wertes ist auch abhängig von dem jeweiligen Pathologen, der die Untersuchung durchführt, sodass Grenzwerte, ab wann das Ki 67 erhöht ist, schwer zu bestimmen sind. Die deutschen Leitlinien betrachten alles unter einem Ki 67-Wert von 25% als langsam wachsenden Krebs, in anderen Ländern liegt der Grenzwert für langsames Wachstum bei kleiner gleich 15 %.  Lassen die Bestimmung der Tumorgröße, die Anzahl befallener (oder nicht befallener) Lymphknoten, die Hormonempfindlichkeit des Tumors, der HER2 neu Status und der Ki 67-Wert keine klare Entscheidung für oder gegen einen Chemotherapie zu, sollte eine Gentestung des Brustkrebses durchgeführt werden. 

Diese Einteilungen zeigen, wie viele verschiedene Formen von Brustkrebs es gibt und dass es entscheidend ist, zu welchem Zeitpunkt (in welchem Stadium) der Brustkrebs festgestellt wurde.

Seit einiger Zeit gibt es auch die Einteilung nach Luminal A, Luminal B, HER2 neu Phänotyp oder Basal-like. Luminal A und B haben immer Hormonrezeptoren, der HER2 neu Phänotyp HER2 neu positiv (Definition siehe oben). Der Basal-like Typ hat keine der Rezeptoren (triplenegativ).

Für medikamentöse Therapieentscheidungen wird Brustkrebs (das Mammakarzinom) in molekulare Subtypen eingeteilt.

  • Luminal A: HR+/HER2- mit niedrigem Ki 67
  • Luminal B: HER2 neu negativ: HR+/HER2- mit hohem Ki 67 
  • Luminal B HER2 neu positiv
  • HER2 positiv (aber Hormonrezeptor negativ)
  • Triple negativ (ER negativ, PR negativ, HER2 neu negativ)

Luminal A – Karzinome: antihormonelle (endokrine) Therapie ohne Chemotherapie.

Luminal B –Karzinome: meist kombinierte Antrazyklin und Taxan-basierte Chemotherapie, anschließend antihormonelle Therapie

HER2 neu positive Karzinome: sequentielles Antrazyklin und Taxan-basiertes Regime mit simultaner Gabe von Trastuzumab (+/- Pertuzumab) oder Anthrazyklin-freies, Platin-haltige Regime mit simultaner Gabe von Trastuzumab (+/- Pertuzumab)

HER2 neu positive, hormonrezeptorpositive Karzinome: nach der Chemotherapie anschließend antihormonelle Therapie

Triple negative Karzinome: meist kombinierte Antrazyklin und Taxan-basierte Chemotherapie +/- Platinsalze

 

Übersicht der medikamentösen Therapieoptionen in der Adjuvans

 

Chemotherapie

Endokrine Therapie

Antikörper

Luminal A

nein

ja

nein

Luminal B

ja

ja

nein

HER2 neu positiv, HR negativ

ja

nein

ja

HER2 neu positiv, HR positiv

ja

ja

ja

TNBC

ja

nein

nein

Nebenwirkungen

All die verschiedenen Therapieformen können zu unterschiedlichen Nebenwirkungen führen. Notieren Sie sich diese regelmäßig, auch wann sie jeweils aufgetreten sind. Gegen die meisten Nebenwirkungen gibt es Medikamente und/oder Sie können selbst einiges tun, um diese zu vermindern oder sogar zu vermeiden. Besprechen Sie auftretende Nebenwirkungen unbedingt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt. Nur dann können Sie gemeinsam überlegen, was dagegen unternommen werden kann.

Bitte setzen Sie nicht eigenmächtig eine Therapie ab, sondern besprechen Sie das unbedingt mit Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem behandelnden Arzt. Ihre Therapie ist für Sie zusammengestellt worden und kann nur wirken, wenn sie auch eingehalten wird. 

Bitte teilen Sie Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt unbedingt mit, wenn sie eigenständig zu weiteren Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln etc. greifen möchten. Das ist sehr wichtig, damit die eigentliche Wirkung Ihrer Medikamente nicht verstärkt oder abschwächt wird (Stichwort: Wechselwirkungen).

Es ist wichtig zu wissen, dass eine Minderung von Nebenwirkungen durch zusätzliche Einnahme anderer Substanzen auch zu einem Verlust der Wirkung Ihrer eigentlichen Therapie führen kann!

Informieren Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt auch unbedingt, wenn Sie neue Medikamente gegen eine andere Erkrankung einnehmen müssen.

Grundsätzliche Empfehlungen für Sie:

  • Nehmen Sie möglichst eine Vertrauensperson zu Ihren Arztgesprächen mit, da vier Ohren immer mehr hören als zwei.
  • Schreiben Sie sich eine Liste Ihrer Fragen und sortieren Sie diese nach Wichtigkeit.

 

Weitere Informationen zum Thema Nebenwirkungen finden Sie im entsprechenden Flyer