3. Februar 2026
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Mehr InformationenVideoauszug aus dem Round Table vom SABCS 2025 mit Prof. Dr. med. Volkmar Müller, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Renate Haidinger für Brustkrebs Deutschland e.V.)
Prof. Volkmar Müller fasst im Video die aktuellen Entwicklungen bei den Erhaltungstherapien für den metastasierten, HER2-positiven Brustkrebs zusammen. Folgend finden Sie die detaillierte Zusammenfassung der relevanten Passage des Round Tables (ca. Minute 50 bis 55): (Die Aufzeichnung des kompletten Round Tables finden Sie hier: https://brustkrebsdeutschland.de/2025/12/aufzeichnung-verfuegbar-brustkrebs-deutschland-e-v-round-table-vom-sabcs/.
Unter einer Erhaltungstherapie versteht man im Zusammenhang mit metastasiertem Brustkrebs eine Behandlungsstrategie, die darauf abzielt, die Erkrankung nach einer erfolgreichen initialen Therapie über einen möglichst langen Zeitraum stabil zu halten. Da Patientinnen heute dank moderner Medikamente oft viele Jahre mit der Metastasierung leben, rückt die Lebensqualität bei gleichzeitig hoher Wirksamkeit in den Fokus. Beim HER2-positiven, metastasierten Brustkrebs besteht die initiale Therapie (Induktionstherapie) aus Chemotherapie plus Antikörper, die „Erhaltungstherapie“ aus der Fortsetzung der Doppelblockade der Antikörper (Trastuzumab und Pertuzumab).
Kernkonzept der Erhaltungstherapie
Prof. Müller erklärt, dass dank moderner Standards die Lebenserwartung bei metastasiertem Brustkrebs deutlich gestiegen ist (oft über 5 Jahre). Das primäre Ziel der Erstlinientherapie ist es, den Zeitraum bis zum nächsten Fortschreiten der Erkrankung so lang wie möglich zu halten, da jeder Progress mit neuen Beschwerden und Risiken verbunden ist. Da eine dauerhafte Chemotherapie (wie Taxane oder auch Trastuzumab-Deruxtecan) über viele Jahre oft nicht gut verträglich ist, sucht man auch beim HER2-postiven Brustkrebs nach wirksameren, aber verträglichen Erhaltungsstrategien.
1. HER2CLIMB-05 Studie (Tucatinib)
- Wirkweise: Tucatinib ist ein Tyrosinkinase-Hemmer (Tablette), der den HER2-Rezeptor im Inneren der Zelle blockiert.
- Studienansatz: Patientinnen erhielten unabhängig vom Hormonrezeptor-Status nach einer initialen Chemotherapie zusätzlich zu den Standard-Antikörpern (Trastuzumab/Pertuzumab) Tucatinib als Teil der Erhaltungstherapie.
- Ergebnis: Die Studie zeigte eine deutliche Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS).
• Besonderheit: Besonders Frauen mit Hormonrezeptor-negativem (HR-), HER2-positivem Brustkrebs profitierten von dieser zusätzlichen Blockade.
2. PATINA Studie (CDK 4/6-Inhibitoren)
- Zielgruppe: Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem (HR+) und HER2-positivem Brustkrebs.
- Ansatz: Kombination der Standard-Antikörpertherapie mit einer Antihormontherapie plus einem CDK 4/6-Inhibitor (Palbociclib).
- Ergebnis: Auch hier wurde eine deutliche Verlängerung der Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung erreicht, bei gleichzeitig sehr guter Lebensqualität.
- Zusatz-Erkenntnis: Eine zusätzliche Analyse zeigte ein wichtiges Signal, dass durch diese Kombination auch das Risiko für Hirnmetastasen gesenkt werden könnte. Die zusätzlichen Medikamente machen natürlich auch zusätzliche Nebenwirkungen. Trotzdem ist es meist besser, wenn die erste Therapie möglichst lange wirkt.
Bedeutung für Patientinnen
Für die Praxis bedeutet dies nach Einschätzung von Prof. Müller die Möglichkeit für eine stärkere Individualisierung der Erhaltungstherapie möglicherweise nach dem Hormonrezeptor-Status:
- HER2+ / HR- (Hormonunabhängig): Hier ist die zusätzliche Gabe von Tucatinib zur Antikörper-Erhaltung eine effektive Option, um den krankheitsfreien Zeitraum zu verlängern.
- HER2+ / HR+ (Hormonabhängig): Hier scheint die Kombination aus Antikörpern, Antihormontherapie und einem CDK 4/6-Inhibitor ein sinnvoller Weg zu sein.
Wichtiger Hinweis:
Obwohl für diese Kombinationen noch keine offizielle Zulassung für genau dieses Szenario vorliegt, sieht Prof. Müller hier bereits eine Grundlage für Kostenübernahmeanträge bei den Krankenkassen, da der klinische Nutzen für die Patientinnen relevant ist.
Professor Müller ist Stellvertretender Klinikdirektor, Leiter konservative gynäkologische Onkologie, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Brustkrebs Deutschland e.V. und Sprecher der AGO Kommission Mamma Weitere Informationen unter https://brustkrebsdeutschland.de/
Anmerkung 30.01.2026: Studien wurden publiziert
PATINA Studie am 28. Januar 2026 im The New England Journal of Medicine publiziert.
Palbociclib for Hormone-Receptor–Positive, HER2-Positive Advanced Breast Cancer
Published January 28, 2026 N Engl J Med 2026;394:451-462 DOI: 10.1056/NEJMoa2511218
HER2CLIMB-05 am 10. Dezember 2025 im Journal of Clinical Oncology
HER2CLIMB-05: A Phase III Study of Tucatinib Versus Placebo in Combination With Trastuzumab and Pertuzumab as First-Line Maintenance Therapy for HER2+ Metastatic Breast Cancer
J Clin Oncol DOI: 10.1200/JCO-25-02600
Den Text des Videoauszugs finden Sie hier als Download: Videoauszug aus dem Round Table vom SABCS 2025 mit Prof. Dr. med. Volkmar Müller, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Renate Haidinger für Brustkrebs Deutschland e.V.)
Dieses Video ersetzt keinesfalls ein ärztliches Gespräch. Der Besuch bei einem Arzt zu einem qualifizierten Beratungsgespräch wird stets empfohlen. Ein Ratschlag oder eine persönliche Meinung sollte, bevor Sie diese in Ihre Entscheidungen einfließen lassen, grundsätzlich mit Ihrem Arzt besprochen werden. Bei Fragen zur Behandlung, Therapie und bei allgemeinen Fragen, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt und/oder zusätzlich an unseren Verein.
Textquelle: Prof. Dr. med. Volkmar Müller
Beitragsbild: KI-generiert