Tipp der Woche: Informationen zu Wechselwirkungen (Interaktionen)

30. Januar 2024

Arzneimittel und deren Wechselwirkungen in Kombination mit Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmittel und anderen Arzneimitteln  etc.

Aufgrund der Wichtigkeit des Themas wollen wir in diesem Tipp der Woche nochmal detaillierter darauf eingehen.

Wenn mehr als ein Arzneimittel eingenommen wird oder mit bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln / Lebensmitteln kombiniert wird, können Wechselwirkungen (Interaktionen) auftreten.

Wechselwirkungen führen dazu, dass die Wirkung eines Arzneimittels evtl. verstärkt oder vermindert wird, was zu einer Abschwächung der Wirksamkeit der Therapie oder sogar zu einem Therapieversagen bis hin zu einer Vergiftung führen kann.

Menschen, die besonders viele Arzneimittel einnehmen müssen, vielleicht sogar an mehreren Krankheiten leiden, haben ein erhöhtes Risiko, Wechselwirkungen zu bekommen.

Quelle: AdobeStock: USeePhoto

Um Wechselwirkungen zu vermeiden, ist es ganz wichtig, einen Medikamentenplan zu erstellen, dort auch alle rezeptfreien Präparate wie z. B. Schmerzmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zu notieren und mit Ihrem Arzt / Ärztin oder Apotheker / Apothekerin abzugleichen, ob Interaktionen auftreten können!

Nachfolgend haben wir Ihnen einige wichtige Beispiele / Tipps aufgelistet, um Wechselwirkungen bei Lebensmitteln evtl. zu vermeiden:

  • Schwarztee, Kaffee und grüner Tee enthalten Gerbstoffe, die die Aufnahme von Wirkstoffen verringern können. Zum Beispiel bei Psychopharmaka wie Antidepressiva und Eisentabletten.
  • Alkohol kann eine Medikamentenwirkung verstärken, z. B. die Nebenwirkung der Müdigkeit von Allergietabletten. Ebenso kann die parallele Einnahme von Paracetamol und Alkohol die Leber schädigen. Durch die gleichzeitige Einnahme von Acetylsalicylsäure und Alkohol kann die Magenschleimhaut noch mehr geschädigt werden. Da Alkohol den Blutzucker senkt, kann es bei gleichzeitiger Einnahme von Antidiabetika zu einer stärkeren Absenkung des Blutzuckerspiegels kommen.
  • Kaffee kann die Wirkung mancher Medikamente verstärken.
  • Milch und kalziumreiches Wasser enthält viel Kalzium, deshalb können manche Arzneimittel im Magen schlechter aufgenommen werden und sind weniger wirksam. Vor allem bei Antibiotika, Mittel gegen Osteoporose und dem Schilddrüsenhormon L-Thyroxin.
  • Grapefruitsaft und Fruchtsäfte hemmen den Stoffwechselabbau von Arzneimitteln, die über die Leber abgebaut werden, deshalb verstärkt sich deren Wirkung.
  • Milchprodukte wie Joghurt oder Käse enthalten auch viel Kalzium und bewirken die gleichen Interaktionen wie Milch (s.o.).
  • Ballaststoffe (Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Flohsamen) können bewirken, dass die Arzneimittel an die Pflanzenfasern der Ballaststoffe im Darm gebunden werden und so deren Aufnahme durch den Darm verhindert wird.
  • Fetthaltiges Essen bewirkt eine „Mehrarbeit“ der Leber durch die Verdauung. Deshalb kann sie in der Zeit weniger Arzneimittel (z. B. Betablocker Propranolol) verstoffwechseln. So wird deren Ausscheidung verhindert und die Wirkung deshalb verstärkt. Auch die Effekte der Blutdrucksenker Lercanidipin und Ciclosporin können verändert werden.
  • Grünes Gemüse (Spinat, Brokkoli, Rosenkohl) enthält Vitamin K und unterdrückt somit die Vitamin K abhängige Bildung von Gerinnungsfaktoren im Blut und kann deshalb die Wirkung von Gerinnungshemmern wie Phenprocoumon und Warfarin abschwächen. Da grünes Gemüse aber sehr gesund ist, essen Sie es besser kontinuierlich in kleinen Mengen, statt auf einmal große Portionen.
  • Länger gelagerte Lebensmittel (gereifter Käse, Salami, Bier, Wein, eingelegter Hering) enthalten den Stoff Tyramin, der wichtig für die Funktion des Nervensystems ist. Abgebaut wird Tyramin durch das Enzym Monoaminooxidase (MAO). Nimmt man einen vom Arzt / Ärztin verordneten MAO-Hemmer (Psychopharmaka) gleichzeitig mit lang gelagerten Lebensmitteln, verstärkt sich die Menge des MAO-Hemmers und es können Kopfschmerzen, hoher Blutdruck und schnelle Atmung auftreten.
  • Ingwer und Knoblauch in großen Mengen eingenommen, können die Gefahr von Blutungen erhöhen, wenn gleichzeitig blutverdünnende Medikamente eingenommen werden.

Auch Kräuter können eine Wechselwirkung mit Arzneimitteln hervorrufen:

  • Johanniskraut hat Einfluss auf den Leberstoffwechsel und kann deshalb bei Cholsterinsenkern, Verhütungsmittel wie der Pille und dem Asthmamittel Theophyllin oder auch Tamoxifen eine Interaktion bewirken.
  • Ginko beeinflusst die Fließeigenschaft von Blut und kann evtl. die Blutungsneigung bei der gleichzeitigen Einnahme von gerinnungshemmenden Arzneimitteln verändern.
  • Thymian zur Schleimlösung bei Husten bewirkt bei der gleichzeitigen Einnahme des hustenreizlindernden Mittels Dextromethorphan eine gegenteilige Wirkung beider Mittel.
  • Sennesblätter als Abführmittel in höheren Dosen greifen in den Salz- und Flüssigkeitshaushalt ein und verursachen eine Reduzierung von Kalium. Dadurch wird bei gleichzeitiger Einnahme des Herzmedikaments Digitoxin dessen Wirkung verstärkt.


Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Arzneimittel können aber auch eine Wechselwirkung bewirken:

  • Protonenpumpenhemmer (Omeprazol) können auf Dauer die Aufnahme von Vitamin B12 und von Vitamin B12 – Arzneimitteln im Körper beeinträchtigen.
  • Säureblocker (Pantoprazol) erhöhen den pH-Wert im Magen und so wird das „Milieu“ weniger sauer. Fungizide (Antipilzmittel) benötigen aber ein saures Milieu und werden dann bei gleichzeitiger Einnahme mit Säureblockern nicht aufgelöst, können ihre Wirkung also nicht entfalten. Beide Medikamentengruppen können auch die Aufnahme und Verstoffwechselung von Medikamenten beeinflussen.


Wichtig ist auch, die Tageszeit zu beachten, zu der ein Arzneimittel eingenommen werden soll, um die Wirkung optimal zu entfalten. Ist ein Arzneimittel 24 Stunden lang wirksam, z. B. der Blutdrucksenker Valsartan, wird es meist morgens gegeben, weil am Tag die maximale und nachts eine sich langsam abschwächende Wirkung erwünscht ist. Kürzer wirksame Medikamente müssen hingegen zwei oder sogar mehrmals täglich verabfolgt werden (Carvedilol).

Häufig ist auch zu beachten, ob ein Medikament vor, während oder nach dem Essen und manchmal mit vorgegebenem Abstand einzunehmen ist.
Idealerweise mit kalzium- und kohlensäurearmem Wasser.

Bitte sprechen Sie Ihren Medikamentenplan und Lebensmittel usw. die Sie für gewöhnlich zu sich nehmen mit Ihrem Arzt / Ärztin und oder Apotheker / Apothekerin ab, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

Quellen:

https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/wechselwirkungen-eine-unterschaetzte-gefahr-963913.html
https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/basiswissen/medikamente-was-sind-wechselwirkungen-721855.html
https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/basiswissen/wechselwirkungen-medikamente-und-lebensmittel-708649.html
https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/wechselwirkungscheck/